Schluss mit der Zukunftsbremse
Maurice Höfgen, als "VWL-Influencer" bekannt, machte deutlich, welche Mythen sich um die Schuldenbremse ranken und warum die Sparpolitik der Ampelkoalition gerade der nächsten Generation schadet. Auf eingängige und zugleich fundierte Art machte der Ökonom und Betriebswirt für die Delegierten anfassbar, wie wenig wir Schulden im Privaten mit den Schulden eines Staates in einen Topf werfen dürfen.
Fakt ist laut Maurice Höfgen, dass zukünftige Generationen finanziell und tatsächlich belastet werden, wenn wir heute weiterhin nichts investieren. Denn heute schon kaputte Straßen und marode Schulen seien in 20, 30 Jahren noch kaputter und noch maroder. "Die Nettoinvestitionen liegen seit 1996 bei Null! Seitdem wurde immer nur so viel investiert, wie die öffentliche Infrastruktur an Wert verloren hat – das ist so, als ob in die deutsche Infrastruktur in den letzten 28 Jahren nichts investiert worden wäre", machte der YouTuber, Podcaster und Kolumnist klar.
Auch mit der Schuldenuhr als drohendes Damoklesschwert über uns machte er kurzen Prozess: "Die Schulden des einen ist das Vermögen eines anderen. Diese Schuldenuhr in Berlin zeigt vor allem eines: Wir verteilen schlecht! Denn die Zahl auf dieser Schuldenuhr liegt als reales Geld auf den Bankkonten der Privatwirtschaft", so Maurice Höfgen.
Und so ging es Schlag auf Schlag weiter - Zinsen, Inflation, Puffer für schwere Zeiten - alles Mythen rund um das Thema Schuldenbremse, die Maurice Höfgen auf verständliche Weise entlarvte. Und: "Selbst Peer Steinbrück, der die Schuldenbremse vor 15 Jahren eingeführt hat, meint inzwischen, dass dieses Instrument nicht mehr zeitgemäß ist." Schulden seien nicht per se etwas Schlechtes, wenn es die Umstände erfordern und Geld nicht so knapp ist, wie man uns gerne einreden möchte. "Geld ist nicht knapp, wir verteilen nur falsch."
Genauer kann man sich mit den Thesen von Maurice Höfgen über eine Vielzahl von YouTube Videos, Podcasts oder Büchern des progressiven Denkers auseinandersetzen: www.mauricehoefgen.com
Mit so viel Input in den Köpfen startete eine angeregte Diskussion, wie dieser Perspektivenwechsel in die Betriebe getragen werden kann, welchen Druck wir als Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter aufbauen können, damit sich etwas ändert. "Lasst uns weiter mutig bleiben. Wir kennen viele der aktuellen Debatten doch schon aus der Zeit der Agenda-Politik, die immer auf dem Rücken derer abliefen, die sich nicht wehren können", so Thomas Knabel zum Abschluss. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, ist jetzt Kampfgeist gefragt - nicht nur für die anstehende Tarifrunde, sondern vor allem auch für die anstehenden harten gesellschaftlichen Auseinandersetzungen.