„Dieses so genannte Angebot ist angesichts massiv steigender Preise eine Frechheit,“ kommentiert IG Metall-Verhandlungsführerin Eileen Müller. Zahlreiche Beschäftigte machten am Verhandlungsort mit einer Protestaktion lautstark ihren Unmut deutlich. Die IG Metall treibt nach diesem Verhandlungstermin ihre Vorbereitungen für Warnstreiks voran, die ab dem 1. April möglich sind.
"Angebot": Reallohnverlust und Altersteilzeit streichen
"Die Beschäftigten geben jeden Tages ihr Bestes - und sollen sich dann 18 Monate lang mit einer Nullrunde abspeisen lassen? Das ist kein Angebot, das ist ein Schlag ins Gesicht", ergänzt Sascha Weißmann von der IG Metall Zwickau, der ebenfalls bei den Verhandlungen am Tisch sitzt. Wenn es nach den Arbeitgebern geht, soll die Altersteilzeit gleich ganz gestrichen werden - und das schon zum Monatsende mit dem Auslaufen des Tarifvertrages Altersteilzeit. "Das ist mit uns nicht zu machen!"
Zum Verhandlungsauftakt vor zwei Wochen war der Arbeitgeberverband vti noch ohne Angebot gekommen. Diesmal schlug er vor, im Oktober 2026 die Tarife für die beiden unteren Entgeltgruppen gerade einmal nach den gesetzlichen Vorgaben des Mindestlohns anzuheben. "Eine Anhebung auf Mindestlohn, da reden wir über 72 Euro mehr für Entgeltgruppe 1 und 50 Euro mehr für Entgeltgruppe 2. Das ist ein Witz!", so Sascha Weißmann weiter.
Arbeitgeber wollen Nullrunde bis Herbst 2027
Für alle anderen Beschäftigungsgruppen sieht das Arbeitgeber-Angebot eine Nullrunde bis Oktober 2027 vor. Erst danach sollen die Entgelte um 80 Euro im Monat steigen. Für die Fortführung des Tarifvertrags zur Altersteilzeit legten sie kein Angebot vor. Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Entgelt, mindestens 150 Euro als soziale Komponente, eine überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütungen sowie die Verlängerung der tariflichen Altersteilzeit bei einer Laufzeit von 12 Monaten.
Eileen Müller, IG Metall-Verhandlungsführerin: „Mit diesem Angebot wollen die Arbeitgeber deutlich sinkende Realeinkommen durchsetzen. Das können sich die Beschäftigten nicht leisten und das werden sie auf keinen Fall hinnehmen. Bei den Entgelten in der Textilbranche haben heute schon viele Kolleginnen und Kollegen große Schwierigkeiten, über die Runden zu kommen. Sie spüren jeden Tag, wie sich ihr Leben drastisch verteuert. Wir werden jetzt die Vorbereitungen für Warnstreiks intensivieren.“
Heike Meyer, Betriebsrätin bei Adient Zwickau: „So ein freches Angebot gab es noch nie. Das provoziert Widerstand und die Belegschaften sind bereit für eine entsprechende Antwort.“
Reiko Mothes, Betriebsrat bei Adient Zwickau: „Für die Arbeitgeber soll nächste Woche der Tarifvertrag zur Altersteilzeit enden. Das geht gar nicht. Jetzt braucht es starke Warnstreiks. Die entsprechende Antwort darauf gibt es vorm Werktor.“
Die Friedenspflicht endet am 31. März 2026. Ab dem 1. April 2026 sind Warnstreiks möglich. Der nächste Verhandlungstermin ist für Dienstag, 14. April angesetzt.