Betriebsrätebefragung Betriebsräte schlagen Alarm: Ostdeutsche Industrie investiert zu wenig

Betriebsräte der Metall- und Elektroindustrie sind alarmiert: Bei einer Befragung der IG Metall in Berlin, Brandenburg und Sachsen bewerteten sie zwar die wirtschaftliche Lage Anfang des Jahres erstaunlich positiv. Doch große Sorgen bereitet die mangelnde Zukunftsvorsorge der ostdeutschen Industrie.

Ingenieur steuert mit Tablet einen Schweißroboter


Noch kurz vor Ausbruch des Iran-Kriegs war der Blick der Arbeitnehmervertreterinnen und Arbeitnehmervertreter in den Betrieben auf die Konjunkturaussichten so positiv, wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Das zeigt die Betriebsrätebefragung der IG Metall aus dem März 2026. Doch die unsichere geopolitische Lage droht diese Stimmungsaufhellung nun wieder zunichtezumachen. In Ostdeutschland fällt der Blick in die weitere Zukunft zudem aufgrund fehlender Investitionen düsterer aus. Mit 55 Prozent stuft weit über die Hälfte der befragten Betriebsräte die Investitionstätigkeit im eigenen Unternehmen als schlecht oder sogar sehr schlecht ein.

Jan Otto, IG Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen: „Die Ergebnisse unserer Befragung sind ein Alarmsignal. Unsere Betriebsräte weisen auf einen dringenden Handlungsbedarf in der Industrie hier bei uns im Osten hin. Der rasante Wandel mit der Transformation auf allen Ebenen verlangt mehr statt weniger Zukunftsanstrengungen, um die Arbeitsplätze für die nächsten Jahre und Jahrzehnte zu sichern. Gerade zeigt dies auch der Irankrieg mit dem dramatischen Anstieg der Energiepreise noch einmal sehr deutlich. Die Manager der ostdeutschen Industrieunternehmen müssen aufwachen und mit deutlich höheren Investitionen die industrielle Basis dauerhaft sichern. Dabei steht auch die Politik in der Pflicht, zu unterstützen. Die Energiepreise müssen sofort runter und die Bürokratie muss verantwortungsvoll reduziert werden.“

Mehrheit der Betriebsräte hält Investitionen für unzureichend

An der Befragung beteiligten sich von Mitte Februar bis Anfang März 148 Betriebsräte im Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen. Sie liefert damit einen guten, branchenübergreifenden Überblick über die wirtschaftliche Lage in der Region. Dabei zeigt sich, dass fast zwei Drittel der Betriebsräte die aktuelle wirtschaftliche Lage und die Aussichten gemessen an den Auftragsbeständen für die nächste Zeit als gut bis sehr gut einstufen. Kritischer fällt der Blick in die weitere Zukunft aus. Nur eine Minderheit von 40 Prozent hält die Investitionen im eigenen Betrieb für ausreichend und bezeichnet sie als gut oder sehr gut.

Die Antworten stammen aus der Zeit direkt vor Beginn des Irankrieges. Sie verdeutlichen somit, dass sich die Konjunktur zumindest bis dahin stabilisiert hat. Die IG Metall hat die Bundesregierung bereits aufgefordert, die wirtschaftlichen Folgen des Irankrieges abzumildern. Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, sagte: „Insbesondere die steigenden Energiekosten dürfen Aufschwung und Arbeitsplätze nicht gefährden. Jeder öffentliche Euro, der Kosten dämpft, Wachstum stützt und Beschäftigung fördert, ist in dieser Situation gut investiertes Geld.“

Weitere Informationen zur Befragung

Die Betriebsrätebefragung der IG Metall findet seit einigen Jahren halbjährlich statt. Der aktuelle Befragungszeitraum erstreckte sich vom 16. Februar bis 6. März 2026. Es beteiligten sich bundesweit Arbeitnehmervertretungen aus 2.452 Betrieben. Diese Betriebe repräsentieren insgesamt über 1,3 Millionen Beschäftigte.

Nähere Informationen zu den bundesweiten Ergebnissen der Betriebsrätebefragung gibt es hier.