Volkswagen „Klare Ansage: Werksschließungen akzeptieren wir nicht!"

Einordnung von Thomas Knabel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Zwickau, zur aktuellen Lage rund um Volkswagen.

Betriebsversammlung


Die jüngsten Medienberichte markieren eine neue Eskalationsstufe in der Debatte um die Zukunft von Volkswagen. Das Manager Magazin nennt Zwickau ausdrücklich als einen der Standorte, die nach den derzeit diskutierten Plänen perspektivisch vor dem Aus stehen könnten. Ob in Emden, Zwickau, Hannover, Neckarsulm oder anderswo: für die Beschäftigten und ihre Region ist das ein alarmierendes Signal. Neben Emden gerät mit Zwickau einer der zentralen Standorte der Transformation zur Elektromobilität und ein Symbol für den erfolgreichen Umbau des Konzerns ins Visier. Wer Werke, Arbeitsplätze und Mitbestimmung zur Disposition stellt, greift die Zukunftsfähigkeit des gesamten Konzerns und seiner Standorte an!

Klare Ansage: Werksschließungen akzeptieren wir nicht!

Für uns ist klar: Wir akzeptieren keine Schließungsabsichten und keinen weiteren Kahlschlag auf Kosten der Beschäftigten. Sollte Volkswagen entsprechende Pläne vorantreiben, werden wir uns mit aller Macht zur Wehr setzen. Arbeitsplätze, Standorte und Mitbestimmung sind nicht verhandelbar!

Überzogene Renditeerwartungen und Managementversagen

Volkswagen darf die Folgen eigener strategischer Fehlentscheidungen und hoher Renditeerwartungen nicht auf dem Rücken der Beschäftigten austragen. Die Kolleginnen und Kollegen haben ihren Beitrag geleistet. Es kann nicht sein, dass diejenigen die Rechnung bezahlen sollen, die den wirtschaftlichen Erfolg des Konzerns über Jahre hinweg erarbeitet haben. Wer von den Leistungen der Belegschaften profitiert hat, steht auch in der Verantwortung, Zukunftsperspektiven für die Standorte zu sichern.

Zusammenhalt statt Spaltung

Schon 2024 galt: Wir lassen uns im Konzern nicht gegeneinander ausspielen! Daran hat sich nichts geändert. Die Beschäftigten aller Standorte sitzen im selben Boot. Jedem muss klar sein: Wenn der Konzern mit seiner Abrisspolitik einen Fuß in die Tür bekommt, dann sind perspektivisch überall Arbeitsplätze, Standorte und die Mitbestimmung in Gefahr. Deshalb braucht es Solidarität zwischen allen VW-Belegschaften.

Zwickau ist Teil der Lösung, nicht des Problems

Die Beschäftigten haben ihren Beitrag geleistet. Sie haben die Transformation getragen, Kosten gesenkt und den Standort wettbewerbsfähiger gemacht. Auch dem Zukunftsfeld Circular Economy stellt sich diese Belegschaft. Doch jetzt ist Volkswagen am Zug! Die Menschen erwarten zu Recht Antworten auf die Frage, wie ihre Zukunft aussehen soll. In einer Zeit, in der viele ohnehin das Gefühl haben, dass über ihre Köpfe hinweg entschieden wird, sind solche Kahlschlagpläne ein fatales Signal. Die Konzernspitze sollte sich genau überlegen, welche politischen und gesellschaftlichen Folgen eine Politik der verbrannten Erde nach sich ziehen kann. Wer Vertrauen in Demokratie, Mitbestimmung und wirtschaftliche Zukunft sichern will, muss Perspektiven schaffen – und sie nicht zerstören.

Verantwortung für die gesamte Region

Uns geht es nicht allein um die Arbeitsplätze im Werk. An VW-Werk Zwickau hängen zehntausende Arbeitsplätze bei Zulieferern, Dienstleistern, im Handwerk, im Einzelhandel und in vielen weiteren Bereichen. Die Auswirkungen würden weit über die Werkstore hinausreichen und die ohnehin schon stark unter Druck stehenden Kommunen in Westsachsen hart treffen.

Volkswagen hat über Jahrzehnte von den Menschen, dem Know-how und den industriellen Strukturen der Region profitiert. Deshalb erwarten wir jetzt Verantwortung gegenüber den Beschäftigten und gegenüber der Region – und keine betriebswirtschaftlichen Schnellschüsse.

Kritik am Umgang mit den Plänen

Als IG Metall kritisieren wir auch die Art und Weise, wie diese Debatte geführt wird. Es ist verantwortungslos, solche Szenarien über Medienberichte zu verbreiten und damit Beschäftigte, Familien und ganze Regionen zu verunsichern. Es drängt sich der Eindruck auf, dass hier von der Unternehmensspitze bewusst Unsicherheit erzeugt und eine Stimmung der Resignation befördert werden soll. Doch damit landen sie bei uns nicht.

Gemeinsam für unsere Zukunft kämpfen

Entscheidend ist: Noch ist gar nichts entschieden! Jetzt ist nicht die Zeit für Resignation, sondern für Geschlossenheit, Mut und Widerstand! Die Beschäftigten haben in den vergangenen Jahren bewiesen, was sie leisten und dass sie kämpfen können. Diese Stärke wird auch in den kommenden Monaten gefragt sein. Wer glaubt, Standorte und Arbeitsplätze ließen sich geräuschlos zur Disposition stellen, wird auf entschlossenen Widerspruch stoßen. Seite an Seite mit der gesamten Konzernbelegschaft und den Zulieferern – für Zwickau, für die Region und für eine industrielle Zukunft unseres Landes werden wir kämpfen!