Die Arbeitgeberseite will die Kündigungen noch heute übermitteln, wie sie in Hannover ankündigte. Dort hatten sich die Tarifvertragspartner zum Überprüfungsgespräch zum Tarifkompromiss aus 2024 getroffen. IG Metall und Betriebsrat kündigen ihren Widerstand an. Eine heftige Auseinandersetzung zum Jahreswechsel bahnt sich an.
IG Metall und Gesamtbetriebsrat informieren hiermit vorab über die wichtigsten Punkte aus dieser Entwicklung:
- Mögliche Kündigungen der Tarifverträge hätten keinerlei Auswirkungen auf die bis Ende 2030 unkündbare Beschäftigungssicherung – weder aktuell noch in nächster Zeit kann sich irgendetwas an der Unkündbarkeit ändern. In der Volkswagen AG sind also weiterhin betriebsbedingte Kündigungen bis 2031 unmöglich.
- Die nun durch den Vorstand anvisierten Kündigungen könnten frühestens ab Januar 2027 Auswirkungen haben. Beispielhaft zu erwähnen ist hier die sogenannte Tarifliche Zusatzvergütung T-ZUV, bei der es um wahlweise sechs zusätzliche freie Tage im Jahr oder um eine Zusatzzahlung über 27,5 Prozent eines Monatseinkommens geht. Auch die Themen tarifliche Zulage (früher LOV), Tarif-Plus, Manteltarifvertrag und Ausbildung könnten von den Kündigungen betroffen sein. Details wollte die Arbeitgeberseite um Verhandlungsführer Arne Meiswinkel zunächst nicht nennen.
- Die Tarifvertragsparteien hatten sich am Mittwoch zu einem sogenannten Überprüfungsgespräch getroffen, bei dem es um die Vertragstreue des Vorstands bezüglich der Einigung aus 2024 gehen sollte. Mit den Ansagen zur Kündigung der Tarifverträge vermischt der Vorstand nun zwei verschiedene Sachverhalte: die Gespräche über die Vertragszusagen aus 2024 und Forderungen für eine jetzt erst beginnende Tarifrunde 2026/2027.
Am Mittwoch in Hannover äußerten sich IG Metall und VW-Arbeitnehmervertretung wie folgt zu den jüngsten Entwicklungen:
Thorsten Gröger, Verhandlungsführer der IG Metall: „Das ist ein übles Foul an der Belegschaft und erneut ein schamloser Versuch, in die Geldbeutel der Beschäftigten greifen zu wollen. Volkswagen versucht, die wirtschaftlichen Herausforderungen des Konzerns bei denen abzuladen, die das Unternehmen jeden Tag am Laufen halten. Während Gewinne privatisiert werden, sollen unternehmerische Kosten und Risiken nun auf die Belegschaft verlagert werden. Das werden wir nicht hinnehmen. Wer den Beschäftigten in die Tasche langen will, muss mit einer entsprechenden Auseinandersetzung rechnen.“
Daniela Cavallo, Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Volkswagen AG, unterstreicht: „Der Vorstand glaubt offenbar, uns erpressen zu können: Einfach Werke mit dem Aus bedrohen und dann zusätzlich im nächsten Schritt die nächsten Tarifeinschnitte durchsetzen wollen. Aber diese Rechnung wird nicht aufgehen. Schon 2024 sind wir mit Verzicht über alle Beschäftigtengruppen an die Grenze des Vermittelbaren gegangen. Das wird sich nicht wiederholen. Dafür müssen aber wir alle in der Tarifrunde den Vorstand spüren lassen, dass er auf der falschen Spur unterwegs ist. Ich rechne mit einer heftigen Auseinandersetzung zum Jahreswechsel.“
Bei dieser Info handelt es sich nur um eine erste Einordnung direkt nach Bekanntwerden der Ankündigung der tarifvertraglichen Kündigungen durch den Vorstand. IG Metall und Betriebsrat werden im Laufe des Tages weitere Details kommunizieren.
Übernommen von der Webseite der IG Metall Bezirksleitung Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Bitte auf den Link klicken für weitere Updates zur aktuellen Lage.