Tarifrunde Metall und Elektro Tarifrunde M+E: Das steckt hinter der Forderung 5 %

Mit Tarifverträgen sichern wir Einkommen und Arbeitsbedingungen der Mitglieder. Was sollen wir fordern? Mehr Geld – und wie viel? Die Forderungsdebatte ist kein Wunschkonzert. Die IG Metall-Mitglieder diskutieren und die Tarifkommissionen entscheiden.

3500 Beschäftigte demonstrierten am 7. Oktober 2026 zur Tarifverhandlung in Ludwigsburg

25. Oktober 2026 25. Oktober 2026


Die erste Runde der Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie 2026 brachte keine Annäherung. Die Arbeitgeber lehnten die Forderungen der IG Metall ab – legten aber kein eigenes Angebot vor. Vor den Verhandlungen der ersten Runde demonstrierten Tausende Metallerinnen und Metaller für ihre Forderungen.

Nächste Woche startet nun die zweite Verhandlungsrunde. Für unser Tarifgebiet finden die Verhandlungen am Donnerstag, 29. Oktober in Berlin statt.

Die IG Metall fordert 5 Prozent mehr Geld, für eine Laufzeit von 12 Monaten. Zudem will sie Arbeitsplätze und Standorte sichern. In gut laufenden Unternehmen soll es eine tarifliche Gewinnbeteiligung geben. Beschäftigte mit niedrigen Einkommen und Auszubildende sollen eine soziale Komponente erhalten.

Wirtschaftliche Lage unterschiedlich – Trend positiv

In den bisherigen 11 regionalen Verhandlungen der ersten Runde stellten die Arbeitgeber die Lage der Metall- und Elektroindustrie düster dar. Doch tatsächlich haben die Wirtschaftsinstitute ihre Prognosen zuletzt deutlich nach oben korrigiert. Und auch Umfragen der IG Metall unter Betriebsräten zeigen einen Aufwärtstrend: 62 Prozent der Betriebe haben wieder eine gute bis sehr gute Auslastung. 

Allerdings ist die Lage sehr unterschiedlich. Während die Auto- und Zulieferindustrie schwächelt, boomen andere Branchen wie die Luft- und Raumfahrt, die Medizintechnik, die Elektrotechnik und die Wehrtechnik. Und die Mehrheit der Betriebsräte schätzt die Aussichten in den kommenden sechs Monaten als gut oder sogar sehr gut ein, selbst in der Autoindustrie. 

Gleichzeitig belasten die hohen Preise die Beschäftigten erheblich. Die IG Metall will die Kaufkraft sichern - und damit auch die Wirtschaft stabilisieren: Der private Konsum trägt über die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts.

IG Metall erwartet Angebot von den Arbeitgebern

Die Verhandlungsführerinnen und Verhandlungsführer der IG Metall-Bezirke kritisierten scharf, dass die Arbeitgeber in der ersten Verhandlungsrunde keinerlei Angebot machten. Dies sei respektlos gegenüber den Beschäftigten, die mit ihrem Engagement, ihrer Flexibilität und ihrer Leistung wesentlich dazu beigetragen haben, dass die Branche wieder Tritt fasst. Jetzt müssen sie auch angemessen an der positiven Entwicklung beteiligt werden. 

Die IG Metall bot in den Verhandlungen an, konstruktiv und zügig zu verhandeln – und forderte die Arbeitgeber auf, nicht auf Kosten des Industriestandorts Deutschland auf Zeit zu spielen. Die Probleme sind bekannt. Die IG Metall fordert von den Arbeitgebern ein klares Bekenntnis zur Industrie am Standort Deutschland – statt immer nur Kürzungen, Abbau, Verlagerungen und Schließungen. 

Zur zweiten Verhandlungsrunde erwartet die IG Metall ein konkretes Angebot zur Sicherung der Kaufkraft von den Arbeitgebern – sowie ernsthafte Verhandlungen darüber, wie langfristig Arbeitsplätze gesichert werden können: über Zukunftsstrategien und Zielbilder, über Investitionen zum Erhalt von Wertschöpfung, Forschung, Entwicklung und Innovation in Deutschland. 
 


Wie entsteht eine Tarifforderung

Was kompliziert aussieht, lässt sich einfach erklären: 

1. Die Zielinflationsrate der Europäischen Zentralbank (EZB): 

Die EZB hat 2 Prozent Inflation pro Jahr als ihr Ziel festgelegt. Damit soll Preisstabilität in der Wirtschaft gesichert werden. Wenn alles teurer wird, dann müssen auch die Beschäftigten mehr Geld in der Tasche haben! Die Wirtschaft bleibt stabil, weil die Menschen weiter einkaufen. 

2. Die Trendproduktivität: 

Laut Statistik nimmt die Produktivität der gesamten Wirtschaft jedes Jahr um etwa 1 Prozent zu. Dieser Fortschritt kommt von uns allen: unsere Arbeit, unser Einsatz, unser Know-How! Mit dieser Komponente behalten wir die gesamte Wirtschaft im Blick. Zusammen bilden die Zielinflationsrate und die Trendproduktivität den sogenannten verteilungsneutralen Spielraum. Das ist der Maßstab, der das Verhältnis von Arbeitgeber- und Beschäftigteneinkommen nicht verändert. 

3. Die Umverteilungskomponente: 

Viele Unternehmen machen Jahr für Jahr Gewinne – oft gute. Die Umverteilungskomponente soll dafür sorgen, dass diese Gewinne gerecht verteilt werden. In wirtschaftlich guten Jahren ist dieser Anteil meist höher als in Krisenzeiten. Geht es den Unternehmen gut, wollen auch wir einen fairen Anteil daran haben! Je höher die Umverteilung ist, desto kleiner werden die Gewinne der Unternehmen. Deshalb ist es wichtig, dass wir stark und geschlossen hinter unserer Forderung stehen.



Tarifrunde Metall und Elektro - Gutes Argument #1

M+E Gutes Argument Nr. 1